Dienstag, 1. März 2022

Kalender 2022 - Gegensätze März

 

Bright and Dark – Atropa Belladonna

Eva Wöhrl




Atropa Belladonna, diese magische "Kirsche", bewegt sich wahrlich an der Grenze zwischen Licht und Dunkelheit. Sie ist giftig und gleichzeitig ein starkes Heilmittel. Sie löst sowohl erotische Bilder als auch Krampf- und Tobsuchtsanfälle aus. Sie kann erregen und lähmen. Sie macht hellwach und führt in einen tiefen Schlaf, sie ist eine bezaubernde Verführerin, aber manchmal führt sie auch zum Tod. Sie war bei Schamanen und Giftmördern beliebt. Sie war als Hexenpflanze bekannt und wurde für Kosmetika verwendet.

Meine Inspirationsquelle waren Heilpflanzen, weil sie oft negative und positive Eigenschaften in sich vereinen. Ich habe Reste von Paapje-Siebdruckstoffen und selbstgefärbten Baumwollstoffe verwendet. Blüten und Blätter sind von Hand appliziert und bestickt, ebenso wie die Pflanzen im Hintergrund.

 

Mittwoch, 2. Februar 2022

Kalender 2022 - Gegensätze Februar

Tatjana Czekalla

Farbe, Form, Faden …..

…..oder „Dreierlei von Gegensätzen“




Der erste Gegensatz ergibt sich offensichtlich durch die Farben Geld und Blau, welche im Gegensatz zueinanderstehen, aber doch miteinander harmonieren.


Den nächste Gegensatz ergibt sich durch die Formen Rund und Eckig. Hierzu hatte ich im Jahr 2019 einen Beitrag in der Patchwork Professionell gelesen und dies war meine Gelegenheit die Interleave-Technik auszuprobieren.


Und zu guter Letzt noch der Gegensatz bei Quilten. Ich habe im Kreis und dem Quader mit geraden Linien gearbeitet und im äußeren Bereich durch das Quilten das Thema der Kreise wieder aufgegriffen.



Mittwoch, 1. Dezember 2021

Kalender 2021 - Zeitreise Dezember

 Tatjana Czekalla

Uhrzeit


Dies ist mein erster Quilt für die Schnipsis und für mich war schnell klar, dass ich das Thema sehr wörtlich mit einer Uhr als Zeitmesser umsetzen wollte.

Wir kennen es alle, als Kind hat man alle Zeit der Welt und je älter man wird umso schneller vergeht gefühlt eine Woche, ein Monat und ein Jahr. Von Berufswegen muss ich immer sehr auf die Zeit achten und dieses Gefühl wollte ich mit meinem Quilt veranschaulichen: Am Anfang noch mit kleinen Schritten und dann geht es immer schneller, schneller und schneller, bis man die Zeit aus dem Auge verliert.



In diesem Sinne ein bisschen mehr Zeit für alle und ab und zu einfach versuchen innezuhalten 😊



Donnerstag, 11. November 2021

Kalender 2021 - Zeitreise November

 

Gonhild Murmann


Bauhaus



Gonhild schreibt dazu:

"Da mich die klare Farb- und Formensprache der Bauhausära sehr anspricht, war mir eine Zeitreise - speziell zu den Bauhausfrauen - wichtig.

Gropius als Bauhausgründer, Kandinsky, Feininger, Klee, Itten sind auch außerhalb der Bauhauslehre bekannte Künstlergrößen. Kaum bekannt dagegen die Bauhausfrauen, obwohl sie mit ihren Ideen und Arbeiten das Bauhaus maßgeblich beeinflusst und geprägt haben.

Gunta Stölzl und Anni Albers, die ich ausgewählt habe, sind nur zwei von ihnen. Sie wurden, wie die meisten Bauhausfrauen, in die Web- und Textilklassen ‘verbannt‘. Auch Anfang des 20. Jahrhundert galt Kunst noch als Männerdomäne in der Frauen allenfalls im Bereich Kunstgewerbe geduldet wurden.

In meinem Quilt stehen die abstrahierten Formen einerseits für den weiblichen Körper, erinnern aber auch an die kegelförmigen Figuren Oskar Schlemmers, und stehen für den „Rahmen" in dem die Bauhausfrauen agieren konnten.

Die linke Figur zeigt einen Teppichentwurf von Anni Albers, rechts einen Entwurf von Gunta Stölzl."

Freitag, 10. September 2021

Kalender 2021 - Zeitreise September

 Fumiko Kitagawa

 Neues im Alten

Unser japanisches Schnipsi-Mitglied Fumiko beteiligt sich auch nach ihrem Umzug nach Japan an der Gestaltung unseres jährliches Kalenders. Darüber freuen wir uns sehr.
Zum Thema Zeitreise griff sie auf ein altes gesticktes Alphabet zurück, in dem sie die Buchstaben n-e-w, englisch für "neu", rot betonte - und so das Neue im Alten fand.



Sonntag, 1. August 2021

Kalender 2021 - Zeitreise August

Quilt von Gabi Fischer

Westöstlicher Stammbaum

Meine „Zeitreise“ geht zurück zur Zeit des geteilten Deutschlands und zur Wiedervereinigung. Bei dem Thema fällt mir als erstes die Geschichte meiner eigenen Familie ein, die für viele Jahre durch die innerdeutsche Grenze in zwei Teile geteilt war. Zuerst waren gar keine gegenseitigen Besuche möglich. Als ich klein war, durften wir „Westler“ dann mit dem Zug zu unseren Verwandten fahren, nachdem vorher eine Unmenge von Formalitäten zu erledigen war. Ich erinnere mich an schier endlose nächtliche Zugfahrten in ein Land, das mir fremd war. Ein Gegenbesuch der Verwandten bei uns war noch nicht möglich.

In den Siebzigerjahren durften wir dann mit dem Auto fahren. Immer noch waren viele Dokumente zu beschaffen, die Familie wurde mit neuen Klamotten ausgestattet und das Auto mit Geschenken vollgepackt: viele Dinge, die es „drüben“ nicht zu kaufen gab und auf den Wunschlisten meiner Tanten und Cousins standen („Es jibt ja nüscht!“). Manches war allerdings nicht erlaubt, z.B. Bücher.
Die Grenzkontrollen waren immer sehr aufregend, meine Mutter den Tränen nah. Alles wurde genau untersucht, das Waschmittelpaket geröntgt und immer wieder die Papiere genau studiert. Man musste auch eine bestimmte Menge D-Mark in DDR-Mark umtauschen, für die man aber kaum Verwendung hatte. Der Aufenthalt bei den Tanten war aber immer sehr herzlich und voller Kuchen und Leberwurstbrote. Der Westbesuch war natürlich eine willkommene Abwechslung im DDR-Alltag.

Mit der Zeit wurden die Reisebeschränkungen etwas gelockert, Rentner durften in den Westen reisen, und meine Cousins durften zu meiner Hochzeit kommen (allerdings ohne Familien).

Natürlich war der Tag des Mauerfalls für uns alle ein sehr emotionales Erlebnis und bis heute genießen beide Seiten der Familie, dass wir uns sehen können, wann immer wir wollen. Immer noch werde ich nervös, wenn wir uns einer Landesgrenze oder der ehemaligen „DDR-Grenze“ nähern, suche nach den Pässen und hoffe, dass wir nicht kontrolliert werden. Für mich gibt es keine Alternative zum vereinten Europa und ich finde es sehr wichtig, diese Botschaft an die jüngere Generation weiterzugeben.

 





Zum Quilt:

Maschinen-genäht und gequiltet aus selbst gefärbten und gedruckten Stoffen. Couching und Maschinen-Applikation. Spitzen appliziert.
Der Quilt ist 120 cm lang und stellt ca. 120 Jahre (1900 – 2020) meiner Familiengeschichte dar, also pro Jahr 1 cm. Jede Person ist in etwa auf Höhe ihres Geburtsjahres dargestellt. Bei Martha und Hermann habe ich etwas geschwindelt, die sind eigentlich vor 1900 geboren. Den Reißverschluss kann man öffnen und damit die Teilung verdeutlichen.

Freitag, 2. Juli 2021

Kalender 2021 - Zeitreise Juli

Sambucus nigra

Eva Wöhrl



Die Zeitreise beginnt in der Jungsteinzeit. Denn der Holunder oder Holler dürfte zu den ältesten Heilpflanzen der Menschheit zählen. 
 
Er galt als Wohnstätte verschiedener, den Menschen freundlich gestimmter Götter. 
 
Die Göttin Holla symbolisiert alle Zyklen des menschlichen Lebens und der Natur: Sie war jugendliche Frühjahrsgöttin, fruchtbare Sommer- und Liebesgöttin (Freya) und alte Wintergöttin Perchta oder Hel und repräsentierte hier den dunklen Aspekt, den Tod. 
 
Die Göttin Holla wohnte im Holunderbaum und wachte über Haus, Hof und Äcker und begleitete den Menschen bei Geburt, Ehe und Tod. 
 
Als heiliger Baum bot der Holunder Schutz und spendete Heilmittel und Nahrung, war die „Hausapotheke des Bauern“. Zur Zeit als man noch an Frau Holle glaubte, brachte es Unheil, einen Holunderbusch zu fällen. Man konnte damit seine Gesundheit oder gar sein Leben riskieren. 
 
Man glaubte, der Baum wäre beseelt und bewohnt und man brachte ihm Opfergaben. 
 
Das wurde nach Einführung des Christentums ausdrücklich verboten. Der heidnische Holunder sollte abgewertet werden und der Wohnort der Göttin wurde zum Baum des Teufels. 
 
Als archaische Erdgöttin war Frau Holle (Perchta) die Herrin über Leben und Tod. Die heidnischen Friesen begruben ihre Toten unter dem Ellhorn nahe beim Haus. 
 
Der Hofholunder war der Baum der verstorbenen Ahnen. Viele Bräuche unterstreichen den Todesaspekt des Holunders. Gleichzeitig macht ihn aber die Eigenschaft, schnell wieder auszutreiben, nachdem er abgeschlagen wurde, zum Symbol der Wiedergeburt. 
 
Er war somit auch ein Baum des Lebens. Werden und Vergehen gehören untrennbar zusammen und im Holunder ist beides miteinander vereint.

Ebenfalls bereits in der Jungsteinzeit bekannt war der Beifuß, der ebenfalls auf dem Quilt zu sehen ist.