Montag, 2. April 2018

Kalenderblatt April 2018

Seit ich im Vorstand der Patchwork Gilde Deutschland e.V. mitarbeite, hat sich mein eigener Arbeitsstil im Punkto Nähen geändert: Ich nähe mehr von Hand. Das liegt in erster Linie daran, dass ich so viel am Rechner sitze, dass ich dann, wenn ich Zeit habe, nicht vor der Nähmaschine sitzen möchte.  Das kam eher schleichend und unbewusst. Aber das ist ok.

Mein Lieblingsmuster ist das Penrose-Muster. Roger Penrose hat in den Siebziger-Jahren entdeckt, dass man mit diesen zwei Rauten (die eine hat einen 36° Winkel, die andere 72°) eine unendliche Parkettierung anfertigen kann. 
Unendliche Parkettierung heist: man kan ewig weitermachen, ohne dass sich das Muser jemals wiederholt. Voraussetzung ist, wie gesagt, man muss bei der Anordnung bestimmte Regeln einhalten. Das tue ich nicht. Ich drucke das Muster aus und suche nach Bereichen, die übergeordnete Linien erkennen lassen und nähe diesen Teilbereich. Die Stoffe sind handgefärbte Seide. 

Bei dem Schmetterling ist mir ein Fehler unterlaufen. Ursprünglich hatte ich vor, einen Monarchfalter auf den Quilt zu setzen. Oder vielleicht einen ganzen Schwarm. Im Laufe der Zeit gefiel mir die Idee nicht mehr und ich habe einen Greta Oto darauf gestickt - einen Glasflügelfalter. Im Kopf war es aber immer noch der Monarchfalter Quilt. Und so habe ich ihn dann bei dem Wettbewerb in Frankreich angemeldet. Unter dem Namen ist er auch angenommen worden und so wandert er im Moment durch die Welt. Mir gefällt die Vorstellung, dass überall auf der Welt Leute stehen, den Quilt betrachten und sich fragen, was der Titel wohl mit der Arbeit zu tun hat.

Donnerstag, 15. März 2018

Schnipsis auf der QuiltArt in Nürtingen

Die Freisinger Schnipsis freuen sich, dass sie ihre Ausstellung "Blue and Friends" auf der QuiltArt in Nürtingen präsentieren könnnen. Schaut, wie schön die Quilts hängen! Das Video hat Frauke Schramm gemacht!

Offen vom 15. – 18. März 2018 in der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU), jeweils von 10 bis 18 Uhr, und Kaffee und Kuchen gibt es auch !
Die Vernissage: Mittwoch, 14. März 2018, 19.00 Uhr.

Donnerstag, 1. März 2018

Kalenderblatt März 2018

Japanische Vollmondnacht

 

Ursprünglich war ein ganz anderes Motiv geplant: Fische in der Antarktis, am Ende der Welt.

Als wir Schnipsis uns aber auf unserer alljährlichen Sommerreise nach Steingaden mit Shiboritechniken beschäftigten, ergab sich dieses Sujet wie von selbst.

Die Vollmondfläche wurde abgebunden, ebenso die Wellen.

Türkise, ebenfalls handgefärbte Streifen wurden dazwischengenäht. Auf diesen Patchworkstreifen quiltete ich mit der Maschine ein Schneckenmuster.

Die Shibori-Flicken wurden insgesamt mit der Hand gequiltet, zum Teil in der historischen Sashiko-Technik.

Ein Haiku von Ramona Linke vervollständigt das Bild.

Somit führte mich die Arbeit an dem Quilt ans andere "Ende der Welt", dem Thema unseres Kalenders.


Donnerstag, 1. Februar 2018

Kalenderblatt Februar 2018

Die Reise ans Ende der Welt ist nicht so mein eigentliches Thema - wenn dann schon eher "Lebensreise" oder "Veränderungen im Leben". Mich fasziniert, wie wir alle ein Rädchen im Getriebe des Lebens sind. Die einen laufen schnell, die anderen langsam, manche sind brandneu, die anderen abgenutzt. Alle zusammen spielen die Melodie, die wir "Leben" nennen. Und wie in einem Lied gibt es immer wiederkehrende Refrains, wo man meint, manches schonmal gesehen und gehört zu haben. Dennoch ist es wieder anders.
Auf jeden Fall ist es bunt. Und wenn es nach mir geht, fröhlich. Daher kam mein Quilt in den Februar. Ich wünsche allen einen schönen Fasching, Karneval oder Fastnacht!


Größe: 92 x 128 cm, handgefärbt Seide, maschinengenäht und -gequiltet, maschinenbestickt.

Dienstag, 2. Januar 2018

Kalenderblatt Januar 2018

Wir haben uns vorgenommen, dieses Jahr wieder unsere einzelnen Kalender-Blätter vorzustellen.
Das übergeordnete Thema war "Reise ans Ende der Welt" - das war das gleiche Thema, das für den Wettbewerb vom Carrefour de Patchwork im Elsass ausgeschrieben war. So konnte jede, die rechtzeitig zum Bewerbungsschluss fertig war, mit ihrem Quilt auch an dem Wettbewerb teilnehmen. Daher haben wr uns auch an deren Maß orientiert: 90 x  20 cm.

Den Januar hat Gonhild gestaltet.

   Insel der Ruhe

"Das Ziel einer Reise ans Ende der Welt ist für mich kein konkreter Ort, sondern ist überall dort wo Ruhe herrscht, die Hektik und Schnelllebigkeit des Alltags ausgeblendet sind. Dies habe ich versucht durch Form und Farbe des Kreises auszudrücken: Stille, Weite, befreit sein von äußeren Zwängen, Vorschriften und Erwartungen. Dagegen ist es rund um die Insel der Ruhe laut, hektisch, eng.                                         
Die Stoffe sind selbst gefärbt und mithilfe einer Gelatineplatte und Schablonen bedruckt.Gequiltet habe ich mit der Hand."



Sonntag, 17. Dezember 2017

Weihnachtliches Taschen-Wichteln

Die Schnipsis habe seit Jahren die Tradtion, dass sie sich gegenseitig zu Weihnachten etwas schenken. Seit letztem Jahr haben wir das etwas "organisiert", indem wir ein Thema festgelegt haben, unter dem jede etwas macht (natürlich alles freiwillig). Sinn war es, die Arbeit für die Einzelne zu reduzieren und gleichzeitig den Spaßfaktor beizubehalten.
In diesem Jahr war das Thema:

Eine schlichte Einkaufstasche. 

Also, so in der Art einer Nesseltasche, wie man sie oft auch in hässlich zu sehen bekommt. Nur unsere sollten natürlich in schön sein.

Also hat jede von uns eine Tasche genäht, sie schön verpackt, beim Treffen heimlich in eine Kiste gelegt und dann wurde gewichtelt.
Nach einem Würfelspiel mit Regeln, die ich beim besten Willen nicht mehr rekonstruieren kann, weil ich an dem Abend zwei Becher von Birgit's tollem Glühwein getrunken habe, hatte jede endlich ihr Packerl erspielt.

Und dann gings ans Auspacken. Hier sind die Ergebnisse:


von Angelika für Birgit
von Barbara für Andrea

von Heidi für Gonhild

von Birgit für Evi

von Evi für Heidi

von Fumiko für Gabi

von Gonhild für Andrea

von Margit für Angelika
von Andrea für Barbara
von Gabi für Fumiko


Vielen Dank, liebe Schnipsis und Euch allen Frohe Weihnachten!

Sonntag, 29. Oktober 2017

Quiltausstellung in St. Petersburg

Kurotschka Rjaba

Jedes Jahr im Oktober wird unter diesem Titel in den Räumen des Kunstvereins in St. Petersburg eine große Quiltausstellung mit angeschlossenem Kunsthandwerkermarkt veranstaltet. Heuer waren die snipSISters aus Freising mit ihrer Ausstellung „Advanced Girls“ dort zu Gast. Wolfgang Eibisch, der seit vielen Jahren in Russland, im Baltikum und in anderen östlichen Ländern als „Quilt-Missionar“ unterwegs ist, hatte den Kontakt hergestellt und die Reise organisiert.

V.l.n.r.: Gonhild Murmann, Eva Wöhrl, Gabi Fischer, Wolfgang Eibisch



Sehr gespannt traten wir, Gonhild Murmann, Gabi Fischer und Eva Wöhrl, mit unseren Begleitern/-innen das Abenteuer an, sämtliche Quilts sorgfältig eingepackt in den größten Koffern, die wir finden konnten. Keine von uns war vorher schon einmal in Russland gewesen, von Sprachkenntnissen ganz zu schweigen. Trotzdem fanden wir uns in der Fünfmillionenstadt schnell zurecht, da die meisten Sehenswürdigkeiten, das Hotel und der Ausstellungsort im Stadtkern liegen. An vielen Stellen sind die Beschriftungen inzwischen auch in lateinischer Schrift, manchmal auch in Englisch angebracht. Das Angebot in Restaurants und Geschäften ist stark an Touristen angepasst. Auch die Reiseformalitäten, Visum und Zoll waren problemlos abgelaufen.


Für den Aufbau der Ausstellung war unter der Leitung der Kuratorin Natalia Merentzewa alles sehr gut vorbereitet worden. Wir hatten eine ganze Wand auf der Galerie des herrlichen Jugendstilsaales zur Verfügung. Für gutes Licht sorgte Tageslicht aus den großen Dachfenstern, am Abend ausreichende Beleuchtung. Auf der gegenüber liegenden Seite waren die Quilts der lettischen Gilde ausgestellt. Zu Ehren von Aina Muze, die großen Einfluss und eine starke Verbundenheit mit der russischen Quiltszene hatte, wurden auch einige Arbeiten von ihr gezeigt.
Im Erdgeschoss gab es eine Zusammenkunft von drei verschiedenen „Kimono“-Ausstellungen. Der Club Galumova aus St. Petersburg hatte sich ausführlich mit der japanischen Kultur auseinandergesetzt und eine wundervolle Kollektion von Quilts in Kimonoform hergestellt. Sie wurden jeweils durch eine bemalte Maske und einen textilen Kopfschmuck ergänzt. Besonders interessant war an diesen Arbeiten, wie sich der russische Stil mit dem japanischen verbinden konnte. Dem gegenüber standen die „Kimono“-Quilts von Pia Welsch in ihrem ganz persönlichen Stil, mit viel Maschinenstickerei und dreidimensionalen Elementen. Der dritte Teil waren handbedruckte historische Kimonos aus der Sammlung von Lana Letta.


Bild oben: Quilts von Gabi Fischer
Mitte: Gonhild Murmann
unten: Eva Wöhrl


In dem angegliederten Kunsthandwerkermarkt konnte man viele originelle und teilweise kunstvolle Produkte finden. Mit Kleidern aus Ecoprint-gefärbten Leinenstoffen wurde auch eine elfenhafte Modenschau inszeniert. Oksana Vinnichenko begeisterte mit filigranen Landschaftsbildern.
Es kamen sehr viele Besucher in die Ausstellung, die sich sehr für die technische Ausführung der Quilts und die künstlerische Gestaltung interessierten und häufig nachfragten. Zu dem von uns gewählten Frauenthema entstand anschließend im russischen sozialen Netzwerk eine kontroverse Diskussion. Die Sorgen und Probleme von Frauen sowie ihre gesellschaftliche Stellung in den unterschiedlichen Kulturen waren wohl in früheren Zeiten ähnlich gewesen, entwickelten sich aber im 20. Jahrhundert unterschiedlich.
Die Rückreise nach einer sehr interessanten Woche traten wir ohne unsere Quilts an – die reisen nämlich weiter nach Moskau zur „Grand Textil“ im November und zur Messe für Kunsthandwerk und Kunstgewerbe in Perm/Ural im Februar. Das Thema Russland wird uns also in nächster Zeit nicht loslassen. Wir würden uns auch sehr freuen, wenn ein Gegenbesuch der St. Petersburger Quilterinnen in Deutschland zustande käme.
Sollten Sie einmal nach St. Petersburg fahren wollen: die prächtige Herbstfärbung und die nächtliche Beleuchtung der Stadt im Oktober waren sehr beeindruckend. Viele bevorzugen aber den Juni/Juli mit den „weißen Nächten“, wenn es kaum dunkel wird und man die langen Abende genießen kann. Besondere Highlights der Besichtigungen waren für uns die großen staatlichen Museen. Die Eremitage mit dem Winterpalast ist an einem Tag nur auszugsweise zu schaffen (wir brachten es auf 10 Stunden!). Glücklicherweise konnten wir noch eine vielgelobte Sonderausstellung mit kürzlich restaurierten Zarengewändern bewundern – mit einer Führung durch Marina Blumin, der Textil-Expertin des Museums. Das Russische Museum ist eine riesige Kunstgalerie mit verschiedenen Sammlungen russischer und europäischer Gemälde, Porzellan und Textilien. Das Ethnographische Museum zeigt unzählige sehr abwechslungsreich präsentierte Trachten und Gebrauchsgegenstände sämtlicher Völker der ehem. Sowjetunion. Hier bekamen wir eine Führung mit der Leiterin des Museums, Frau Kalaschnikowa, und durften sogar die Schatzkammer mit kostbarem traditionellem Schmuck besichtigen. Entspannung nach dem ganzen Kunstgenuss kann man in einem der vielen Parks finden, z.B. im romantischen Sommergarten.